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Ein Stadtspaziergang im Mai

Gestern bin ich durch die Stadt geschlendert.
(Das ist analoge Old-School-Ausdrucksweise, ein heutiger Informatiker würde sagen: Gestern habe ich die Stadt gerendert. Okay, dieses Wortspiel macht keinen Sinn, aber es klingt gut und - besonders wichtig - es reimt sich vorzüglich.)
Und zwar durch Nürnberg. Komischerweise bin ich in letzter Zeit oft in Nürnberg, obwohl ich seit sieben Jahren nicht mehr dort wohne. Vielleicht liegt meine Affinität zur Frankenmetropole daran, dass die Städte danach nicht immer der Hit waren, Berlin etwa.
Berlin hat unter anderem den Nachteil, dass es in der Nähe der Wöhrder Wiese keine Parkplätze gibt. Es gibt nicht einmal eine Wöhrder Wiese.
In Nürnberg hingegen habe ich gestern dort sofort einen Parkplatz gefunden. Dummerweise stand bereits ein anderes Auto drauf. Nach ein paar Suchrunden um den Block war es aber weg und ich konnte meine japanische Luxuskarosse aus britischer Produktion (it´s not a trick, it´s a Honda) dort abstellen.
Wenn ich nach Nürnberg zum Innenstadtschlendern fahre, parke ich meistens so, dass ich nach dem Aussteigen aus meinem ungemein eleganten und irre motorisierten Automobil erst durch die besagte Wiese laufe, bevor ich dann den Marientorgraben quere, am „Cinecitta“-Multiplexkino vorbeilaufe, kurz anhand der dort angebrachten Außenfilmplakate das aktuelle Kinoprogramm checke (ob es sich eventuell lohnt, auf dem Rückweg einen Film anzusehen), um schließlich die eigentliche Nürnberger Altstadt zu betreten. Das Durchschreiten der Wöhrder Wiese ist im Mai nicht ungefährlich - zum einen, weil im Zusammenhang mit dem dort alljährlich aufgebauten „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ (Thema dieses Jahr: Wasser) Horden hyperaktiver Schulklassen den Weg des Wanderers kreuzen, zum anderen, weil im Mai die Bäume ausschlagen.
Beiden konnte ich gestern geschickt und weitgehend ausweichen, um leidlich unverletzt die historische Innenstadt und die Fußgängerzone zu entern.
Der Tag war warm und sonnig, die Plätze, die Straßen (-cafés) waren voll und die Gesichter leer (stimmt natürlich nicht, ist aber ein 1a-Wortspiel, vgl. auch oben im Text).
Überall im Zentrum Jugend, besonders geballt in und vor den diversen Filialen der „Starbucks“-Café-Kette. Ich holte mir in einer davon einen Pappbecher brutal heißen Ami-Kaffee, sah mich um und stellte wieder einmal fest:
Je älter ich werde, desto mehr umwerfend gut aussehende junge Frauen gibt es.
Ein seltsames Phänomen, für das es bestimmt eine Erklärung gibt.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich sie wissen will.
Mit dem Kaffeebecher in der Hand schlenderte ich weiter Richtung Neues Museum, weil ich dort die vielgelobte East-West-Industriedesign-Ausstellung sehen wollte (in der alte Radios, Fernsehgeräte etc. aus BRD- und DDR-Produktion gezeigt werden).
Ich kam an einem Info-Stand irgendeiner politischen Gruppierung (Kommunisten vielleicht?) vorbei, für den sich kein Passant und auch kein Schwein interessierte.
Wobei es sowieso so ist, dass man in der Nürnberger Innenstadt eher selten Schweine antrifft, in den Bauernhöfen im Nürnberger Land eher, dort sind aber keine Infostände politischer Gruppierungen. Vielleicht gibt es irgendwann einmal eine App, die dieses Problem lösen wird.
Ich nahm im Vorbeigehen ein Flugblatt mit, um damit den heißen Kaffeebecher einzuwickeln und meine Finger vor weiteren Verbrennungen zu schützen.
Ein paar Meter weiter, in einem Hauseingang an der Pfannenschmiedgasse, drucksten sich ein paar abgerissen wirkende Gestalten herum. Kiffer vielleicht?
Ich ging weiter, bog um Häuserecken, lief an der immer wieder atemberaubenden Fassade des Neuen Museums am Klarissenplatz entlang und betrat dann den Vorraum der Ausstellung.
Ich warf den noch vollen Kaffeebecher in einen der raffiniert gestylten Abfalleimer.
Wer soll diese heiße Plörre trinken?
Und ist der Abfalleimer ein Kunstwerk, in das man nichts werfen darf, außer man ist scharf auf eine Millionen-Euro-Strafzahlung oder wahlweise Einzelhaft?
Ich wusste es nicht und leckte meine Finger, an denen sich die Haut abzuschälen begann.
Der Besuch der Ausstellung war dann klasse und eine tolle Ablenkung von der Schmerzen.
Noch besser war aber der Ausblick aus dem zweiten Stock des Neuen Museums über die Dächer Nürnbergs.
Selbst durch die hermetisch wirkende Glasfassade meinte ich, den Duft der Frühlings, bereits mit einem Hauch Sommer versetzt, zu riechen.
Ein Tag im Mai in der großen Stadt.
8.5.15 13:36
 
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